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<title>Plazenta</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Plazenta</span></h1>
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<p>Die <b>Plazenta</b> (<a href="Latein" title="Latein">lat.</a> <i>placenta</i> ,Kuchen‘, <a href="Deutsche_Sprache" title="Deutsche Sprache">dt.</a> auch <b>Mutterkuchen</b> oder „Fruchtkuchen“) ist ein bei allen weiblichen <a href="H%C3%B6here_S%C3%A4ugetiere" title="Höhere Säugetiere">Höheren Säugetieren</a> (<i>Eutheria</i>) einschließlich des <a href="Mensch" title="Mensch">Menschen</a> und mancher <a href="Beutels%C3%A4uger" class="mw-redirect" title="Beutelsäuger">Beutelsäuger</a> (<i>Metatheria</i>) während der Trächtigkeit (bzw. <a href="Schwangerschaft" title="Schwangerschaft">Schwangerschaft</a>) sich entwickelndes Gewebe an der <a href="Geb%C3%A4rmutter" title="Gebärmutter">Gebärmutterwand</a>, das zum embryonalen Organismus gehört, von diesem gebildet wird und von Blutgefäßen der Mutter <i>und</i> des Embryos durchwoben ist. Darüber steht der Embryo (später der <a href="F%C3%B6tus" title="Fötus">Fötus</a>) mittelbar mit dem Blutkreislauf der Mutter in Verbindung, erhält Nährstoffe und Sauerstoff und gibt Abfallprodukte ab. Nach der Entbindung wird die Plazenta gemeinsam mit der Eihaut als <a href="Nachgeburt" title="Nachgeburt">Nachgeburt</a> ausgestoßen. Eine <a href="Analogie_(Biologie)" title="Analogie (Biologie)">analoge</a> Struktur stellt die <a href="Dottersack-Plazenta" title="Dottersack-Plazenta">Dottersack-Plazenta</a> der <a href="Grundhaie" title="Grundhaie">Grundhaie</a> dar, die ebenso wie die Plazenta der Säugetiere der Versorgung der <a href="Embryo" title="Embryo">Embryonen</a> dient.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Funktionen">Funktionen</h2></div>
<p>Die Plazenta besteht sowohl aus <a href="Embryo" title="Embryo">embryonalem</a> bzw. fetalen (<i>Placenta fetalis</i>) als auch aus mütterlichem (<i>Placenta materna</i>) Gewebe. Die Plazenta entsteht, indem embryonales Gewebe in die <a href="Endometrium" title="Endometrium">Gebärmutterschleimhaut</a> (Endometrium bzw. Dezidua) einwächst. Sie stellt die Versorgung mit Nährstoffen, die Entsorgung von Exkretionsprodukten und den Gasaustausch des <a href="Embryo" title="Embryo">Embryos</a> bzw. <a href="F%C3%B6tus" title="Fötus">Fötus</a> sicher. Die Verbindung zwischen Embryo und Plazenta erfolgt über die <a href="Nabelschnur" title="Nabelschnur">Nabelschnur</a>.
</p><p>Anders als alle anderen Säugetier-Organe, die erst nach einer ausreichenden Entwicklungs- und Reifungsperiode ihre Funktion aufnehmen, muss die Plazenta ihr eigenes Wachstum steuern und parallel dazu volle Funktionstüchtigkeit entwickeln. Dabei müssen in jedem Stadium der Schwangerschaft die jeweils spezifischen Bedürfnisse des Kindes befriedigt werden. Neben der Versorgung des Kindes erfüllt die Plazenta hormonelle Aufgaben. Noch kaum erforscht ist die Fähigkeit der Plazenta, das <a href="Immunsystem" title="Immunsystem">Immunsystem</a> der Mutter so zu beeinflussen, dass es zwar funktionstüchtig bleibt und die Mutter damit vor Infektionen schützt, gleichzeitig aber daran gehindert wird, die Plazenta selbst und das Kind als Fremdgewebe abzustoßen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau">Aufbau</h2></div>
<p>Die menschliche Plazenta ist im ausgereiften Zustand ein circa 500 bis 600 Gramm schweres und im Durchmesser 15 bis 20 Zentimeter großes Organ, das sich nach der Einnistung (<a href="Nidation" title="Nidation">Nidation</a>) der <a href="Blastozyste" class="mw-redirect" title="Blastozyste">Blastozyste</a> in der Gebärmutter bildet. Sie entsteht aus dem fetalen <a href="Trophoblast" title="Trophoblast">Trophoblasten</a> und aus der mütterlichen Gebärmutterschleimhaut (<a href="Endometrium" title="Endometrium">Endometrium</a>). Die fetale Seite der Plazenta – also <a href="Chorion" title="Chorion">Chorionplatte</a> und <a href="Nabelschnur" title="Nabelschnur">Nabelschnur</a> – ist mit weißlich trübem <a href="Amnion" title="Amnion">Amnionepithel</a> bedeckt (siehe letztes Bild). Zwischen der Chorionplatte und der mütterlichen Basalplatte (<i>Dezidua</i>) befindet sich der mit mütterlichem Blut gefüllte intervillöse Raum. Dieser wird durch bindegewebige Plazentasepten von der Basalplatte aus in 15 bis 20 Felder, die so genannten <a href="Kotyledonen" class="mw-redirect" title="Kotyledonen">Kotyledonen</a>, unterteilt. Aus dem Chorion wachsen Primärzotten, die die Sekundärzotten tragen, in diese blutgefüllten Kotyledonen. Durch das Einsprossen von <a href="Kapillare_(Anatomie)" title="Kapillare (Anatomie)">Kapillaren</a> wird die Sekundärzotte zur Tertiärzotte und ist somit zum Stoffaustausch bereit. (In der Abbildung ist der gesamte Zottenbaum als Villus bezeichnet.) Zwischen den Kapillaren der Tertiärzotten und dem intervillösen Raum findet auf Grund der Plazentaschranke (siehe unten) kein Blutaustausch statt. Der Stoffaustausch erfolgt über <a href="Diffusion" title="Diffusion">Diffusion</a>, erleichterte Diffusion, <a href="Pinozytose" class="mw-redirect" title="Pinozytose">Pinozytose</a> oder wird über Rezeptoren vermittelt. Ab der vierten Schwangerschaftswoche, wenn das Herz des Kindes zu schlagen beginnt, wird die Frucht über die Plazenta versorgt.
</p><p>Als Organ dient die Plazenta nur eine begrenzte Zeit. Sie zeichnet sich durch den geringsten Gehalt an <a href="Bindegewebe#Straffes_Bindegewebe" title="Bindegewebe">straffem Bindegewebe</a> aller Organe aus. Außerdem ist die Plazenta nicht mit Nerven durchzogen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Plazentaschranke">Plazentaschranke</h2></div>
<p>Eine der Funktionen der Plazenta ist die Plazentaschranke mit dem vom Trophoblasten abstammenden Synzytiotrophoblast, einer vielkernigen Lage ohne Zellgrenzen (<a href="Synzytium" class="mw-redirect" title="Synzytium">Synzytium</a>).<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dies stellt eine passive Filtermembran dar, die mütterliches und kindliches Blut trennt und den Übertritt von verschiedenen im Blut gelösten Substanzen ermöglicht oder verhindert. Die dafür verwendeten Mechanismen sind <a href="Diffusion" title="Diffusion">Diffusion</a> und erleichterte Diffusion, aktiver Transport, <a href="Diapedese" class="mw-disambig" title="Diapedese">Diapedese</a> und <a href="Pinozytose" class="mw-redirect" title="Pinozytose">Pinozytose</a>.
Durch Diffusion gelangen Sauerstoff, Wasser, einige Vitamine, aber auch Alkohol, Gifte, Drogen und Medikamente in den Fötus. <a href="Glukose" class="mw-redirect" title="Glukose">Glukose</a>, <a href="Aminos%C3%A4ure" class="mw-redirect" title="Aminosäure">Aminosäuren</a> und Elektrolyte gelangen über erleichterte Diffusion und aktive Transportprozesse in das Kind. Proteine, Antikörper vom Typ <a href="Immunglobulin_G" title="Immunglobulin G">IgG</a> und Fette werden über Pinozytose transportiert. Viren und Bakterien können sich per Diapedese Zugang zum Kind verschaffen.
Die Übertragung mütterlicher IgG-Antikörper ist besonders wichtig, da das Kind bis einige Monate nach der Geburt nicht ausreichend eigene Antikörper bilden kann (<a href="Nestschutz" title="Nestschutz">Nestschutz</a>).
</p><p>Durch Mikrotraumen in der Plazenta kann es zum Übertritt kindlichen Blutes in den mütterlichen Kreislauf kommen. Dies ist normalerweise ungefährlich, es sei denn, das Kind ist <a href="Rhesusfaktor" title="Rhesusfaktor">Rhesus-positiv</a>, die Mutter jedoch negativ. In einem solchen Fall kann es zur <a href="Sensibilisierung_(Medizin)" class="mw-redirect" title="Sensibilisierung (Medizin)">Sensibilisierung</a> der Mutter gegen kindliche Antigene kommen. Die Mutter bildet Antikörper vom plazentagängigen IgG-Typ gegen das rhesuspositive Blut, welche bei einer Folgeschwangerschaft in den fötalen Kreislauf gelangen und dort das Krankheitsbild des <a href="Morbus_haemolyticus_neonatorum" title="Morbus haemolyticus neonatorum">Morbus haemolyticus neonatorum</a> auslösen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Plazenta_als_endokrines_Organ">Plazenta als endokrines Organ</h2></div>
<p>Die Plazenta produziert das <a href="Hormon" title="Hormon">Hormon</a> <a href="Humanes_Choriongonadotropin" title="Humanes Choriongonadotropin">Chorion-Gonadotropin</a> und etwa ab dem vierten Monat auch das Gelbkörperhormon <a href="Progesteron" title="Progesteron">Progesteron</a>, nachdem der Gelbkörper im Eierstock die Produktion eingestellt hat. Das Gelbkörperhormon unterdrückt die <a href="Menstruation" title="Menstruation">Regelblutung</a> und ermöglicht somit das Weiterbestehen der <a href="Schwangerschaft" title="Schwangerschaft">Schwangerschaft</a>.
</p><p>Zudem bildet die Plazenta das <a href="Humanes_Plazentalaktogen" title="Humanes Plazentalaktogen">humane Plazentalaktogen</a> (HPL). HPL kann ab der 8. Schwangerschaftswoche im Serum der Mutter nachgewiesen werden und nimmt dann bis zur Geburt kontinuierlich um bis zu 2 g täglich zu. Aufgabe von HPL ist es die Brüste zu entwickeln und für die Laktation vorzubereiten. Zudem reguliert es den Metabolismus und hat anabole Effekte.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Plazentaveränderungen"><span id="Plazentaver.C3.A4nderungen"></span>Plazentaveränderungen</h2></div>
<p>Die Plazenta kann individuell sehr unterschiedlich sein. Form und Größe des Organs variieren ebenso, wie der Ansatz (Insertionsstelle) der Nabelschnur.
</p><p>Zu den Formvarianten zählen die <i>Placenta succenturiata</i> (Nebenplazenta), die <i>Placenta bilobata/multilobata</i> (zweifach/mehrfach gelappte Plazenta), die <i>Placenta anularis</i> (Ring- oder gürtelförmige Plazenta), die <i>Placenta fenestrata</i>, sowie die <i>Placenta membranacea</i>. Eine Nebenplazenta oder gelappte Plazenta beeinträchtigt die fetale Entwicklung nicht.
</p><p>Als Folgen einer Plazentationsstörung entstehen Formen, wie die <i><a href="Placenta_accreta" title="Placenta accreta">Placenta accreta</a></i>, die <i>Placenta increta</i>, sowie die <i>Placenta percreta</i>. Dabei wachsen die Zotten durch teilweise oder völlig fehlende Dezidua in das <a href="Myometrium" class="mw-redirect" title="Myometrium">Myometrium</a> ein. Die Folge sind <a href="Plazentaretention" title="Plazentaretention">Plazentalösungsstörungen</a> nach der Geburt des Kindes.
</p><p>Auch Lageveränderungen, wie die unterschiedlichen Formen der <i><a href="Placenta_praevia" title="Placenta praevia">Placenta praevia</a></i>, kommen vor.
</p><p><a href="Tumor" title="Tumor">Tumoren</a> der Plazenta sind insgesamt sehr selten. Der häufigste ist das <a href="Chorangiom" title="Chorangiom">Chorangiom</a>.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere Tumoren können sein: Chorangiomatose, <a href="Teratom" title="Teratom">Teratom</a> und Plazentabett-Tumor (Placental site trophoblastic tumor).<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Nachgeburt">Nachgeburt</h2></div>
<p>Die Plazenta mit der <a href="Eihaut" class="mw-redirect" title="Eihaut">Eihaut</a> wird kurz nach der Geburt des Kindes als <a href="Nachgeburt" title="Nachgeburt">Nachgeburt</a> geboren.
</p><p>Oft ist es möglich, die Plazenta ausgehändigt zu bekommen. Kommerzielle Anbieter stellen daraus sog. Globuli (ursprünglich <a href="Hom%C3%B6opathie" title="Homöopathie">homöopathische</a> Medikamente) her. Manche Menschen vergraben sie in der Erde, meist unter einem Baum. Dieser <a href="Brauch" title="Brauch">Brauch</a> war und ist in unterschiedlichsten Regionen der Welt verbreitet.
</p><p>In China wurde die Plazenta im 16. Jahrhundert gegen Unfruchtbarkeit und Impotenz bei Männern empfohlen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Plazenten auch an die <a href="Kosmetik" title="Kosmetik">Kosmetikindustrie</a> verkauft. Daraus hergestellte Cremes sollten der Hautverjüngung dienen, wissenschaftliche Studien hierzu gibt es keine. Diese Praxis ist unter anderem wegen der Angst vor HIV/<a href="AIDS" title="AIDS">AIDS</a> und anderen Infektionen überholt.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die aus den Plazenten gewonnenen Inhaltsstoffe werden heute aus anderen Quellen oder synthetisch hergestellt bzw. durch alternative Stoffe ersetzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Plazentophagie">Plazentophagie</h3></div>
<p>Während fast alle sogenannten <a href="Plazentatiere" class="mw-redirect" title="Plazentatiere">Plazentatiere</a> ihre Nachgeburt verzehren, ist lediglich von Menschen und Kamelen dokumentiert, dass diese Verhaltensweise bei ihnen nicht die Norm ist.<sup id="cite_ref-THI_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-THI-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Doch auch in einigen menschlichen Gesellschaften hat der Verzehr der Plazenta eine lange Geschichte, da diese oft als individuelles Heilmittel im Wochenbett gilt. Sowohl in Nordamerika, als auch in Ozeanien, Europa, Teilen Südamerikas und Asien verzehrt ein Teil der Mütter ihre Plazentas, wobei Forscher feststellen, dass die Zahlen offenbar steigen. In den USA verzehrte 2018 jede dritte Frau, die ihr Kind nicht im Krankenhaus zur Welt brachte ihre eigene Plazenta. Die <a href="Traditionelle_chinesische_Medizin" title="Traditionelle chinesische Medizin">traditionelle chinesische Medizin</a> verwendet getrocknetes Plazentapulver sowohl zum Anregen der <a href="Laktation" title="Laktation">Laktation</a> als auch zur Behandlung von Fruchtbarkeitsstörungen.<sup id="cite_ref-BMC_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-BMC-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Während ein Teil der möglichen Risiken noch nicht erforscht ist, konnte nachgewiesen werden, dass die in getrockneter Plazenta enthaltenen Hormone bei 86 Prozent der untersuchten Frauen zu vermehrter Milchbildung führten.<sup id="cite_ref-THI_9-1" class="reference"><a href="#cite_note-THI-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Plazenta kann roh verzehrt, als Brühe oder Sud, zubereitet werden, oder auch als Pulver oder Kapsel eingenommen werden. Im Handel erhältliche Produkte müssen unter bestimmten Hygienemaßnahmen und unter Einhaltung vorgegebener Verarbeitungsschritte erzeugt werden, wobei frische Plazenta innerhalb weniger Stunden nach der Geburt verarbeitet werden muss.<sup id="cite_ref-THI_9-2" class="reference"><a href="#cite_note-THI-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Literaturstudie von Cynthia W. Coyle u. a. (Northwestern University Feinberg) von Juni 2015 über Plazentophagie in den Jahren 1950 bis 2014 kommt zum Schluss, dass Nutzen und Risiken erst noch erforscht werden müssen, um fundierte Aussagen treffen zu können.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In einer Einzelfallstudie berichten Forscher der US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) von einem Kind, das sich mit <a href="Streptokokken" title="Streptokokken">Streptokokken</a> infizierte, nachdem seine Mutter ihre eigene Plazenta in Form von Kapseln zu sich genommen hatte.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die nachgewiesenen Streptokokken der Gruppe B wurden zwar sowohl im getrockneten Plazentagewebe als auch im Blut des Neugeborenen nachgewiesen, nicht aber in der Muttermilch.<sup id="cite_ref-THI_9-3" class="reference"><a href="#cite_note-THI-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Stammzellgewinnung">Stammzellgewinnung</h3></div>
<p>Inzwischen ist bekannt, dass sowohl aus der Plazenta selbst, der <a href="Nabelschnur" title="Nabelschnur">Nabelschnur</a> als auch dem darin befindlichen <a href="Nabelschnurblut" class="mw-redirect" title="Nabelschnurblut">Nabelschnurblut</a> <a href="Nabelschnurblutstammzellen" title="Nabelschnurblutstammzellen">Nabelschnurblutstammzellen</a> extrahiert werden können. In der Plazenta und Nabelschnur wurden vor allem <a href="Mesenchym" title="Mesenchym">mesenchymale</a>,<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> im Nabelschnurblut vorrangig blutbildende, also <a href="H%C3%A4matopoetische_Stammzelle" title="Hämatopoetische Stammzelle">hämatopoetische Stammzellen</a> nachgewiesen. Während die Stammzellen der Nabelschnur derzeit nur zu experimentellen und Forschungszwecken gewonnen werden, können Nabelschnurblutstammzellen routinemäßig gewonnen, konserviert und medizinisch verwendet werden. Häufigstes Verwendungsgebiet war 2001 die <a href="Stammzelltransplantation" title="Stammzelltransplantation">Stammzelltransplantation</a> zur Behandlung von <a href="Leuk%C3%A4mie" title="Leukämie">Leukämie</a><sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Allerdings befindet sich die Forschung zur Anwendung von Nabelschnurblut noch in den Anfängen, speziell in der <a href="Regenerative_Medizin" title="Regenerative Medizin">Regenerativen Medizin</a> und beim Heranzüchten von Gewebe, Knorpeln- und Knochenteile wurden 2013 viele Studien durchgeführt.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Fälle, in denen Nabelschnurblut für eine Stammzelltherapie benötigt wird, sind selten. Als Beleg dafür können die Angaben der größten Stammzellenbank <a href="Vita_34" title="Vita 34">Vita 34</a> herangezogen werden: 30 medizinische Verwendungen bei über 200 000 Einlagerungen. Außerdem ist die Verwendung eigener blutbildender Stammzellen aus Blut oder Knochenmark meist möglich.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ein weiterer Kritikpunkt sind die kurzen Abnabelungszeiten, die im Falle einer Stammzellengewinnung auftreten, und deutlich geringer als die von Seiten der WHO empfohlenen Abnabelungsdauer sind. In diesem Zusammenhang wird oft vom „Auspulsieren“ des Nabelschnurblutes gesprochen, die positiven Effekte dieser Methode sind teilweise bewiesen z. B. eine höhere Eisenmenge im Blut des Säuglings.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bei_Tieren">Bei Tieren</h2></div>
<p>Bei Säugetieren gibt es verschiedene Plazentatypen. Kommt es zu einem umfangreichen Abbau der Gebärmutterschleimhaut, spricht man von einer <b>Vollplazenta</b> (<i>Placenta vera</i>). Dies ist bei <a href="Primaten" title="Primaten">Primaten</a>, <a href="Nagetiere" title="Nagetiere">Nagetieren</a> und <a href="Raubtiere" title="Raubtiere">Raubtieren</a> der Fall. Nach Verteilung der Kontaktstellen unterteilt man diese in die Gürtelplazenta (<i>Placenta zonaria</i>, histologisch: endotheliochorial, das Chorion hat mit den mütterlichen <a href="Endothel" title="Endothel">Endothelzellen</a> Kontakt) bei Raubtieren und die Scheibenplazenta (<i>Placenta discoidalis</i>, histologisch: hämochorial, direkter Kontakt mit dem Blut der Mutter) bei Nagetieren und Primaten.<sup id="cite_ref-Kressin_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-Kressin-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Unterbleibt dieser umfangreiche Abbau der Gebärmutterschleimhaut, spricht man von einer <b>Halbplazenta</b> (<i>Semiplacenta</i>). Bei <a href="Unpaarhufer" title="Unpaarhufer">Unpaarhufern</a> und <a href="Wale" title="Wale">Walen</a> sind die Kontaktstellen gleichmäßig verteilt (<i>Placenta diffusa</i>, histologisch: epitheliochorial, also das Chorion steht mit dem <a href="Epithel" title="Epithel">Epithel</a> der Gebärmutterschleimhaut in Kontakt), bei Schweinen nicht über die gesamte Kontaktfläche (<i>Placenta diffusa incompleta</i>, histologisch ebenfalls epitheliochorial) und bei <a href="Wiederk%C3%A4uer" title="Wiederkäuer">Wiederkäuern</a> an lokal erhabenen drüsenlosen Kontaktflächen, den <i>Karunkeln</i> (Placenta multiplex s. cotyledonaria).<sup id="cite_ref-Kressin_19-1" class="reference"><a href="#cite_note-Kressin-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Beuteltiere" title="Beuteltiere">Beuteltiere</a> besitzen eine unvollkommene <b>Dottersackplazenta</b>, da sie nur eine geringe <a href="Tr%C3%A4chtigkeit" title="Trächtigkeit">Tragezeit</a> von 8 bis 40 Tagen haben.
</p><p>Von über 4.000 Säugetierarten ist bekannt, dass sie ihre eigene Plazenta verzehren.<sup id="cite_ref-THI_9-4" class="reference"><a href="#cite_note-THI-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Darunter sind auch zahlreiche Tiere, die sonst selbst rein vegetarisch oder vegan leben. Für den Verzehr der Nachgeburt werden unterschiedliche Gründe angegeben, zu denen der Schutz des <a href="Juvenil" title="Juvenil">Jungtieres</a> vor <a href="Raubtiere" title="Raubtiere">Raubtieren</a> zählt, da diese die <a href="Schwei%C3%9F_(Jagd)" title="Schweiß (Jagd)">Duftspur</a> wahrnehmen könnten oder auch Versorgung mit <a href="Mineralstoff" title="Mineralstoff">Mineralstoffen</a>, <a href="Vitamine" class="mw-redirect" title="Vitamine">Vitaminen</a> und anderen wichtigen <a href="N%C3%A4hrstoff" title="Nährstoff">Nährstoffen</a>, deren Verfügbarkeit in der freien Natur begrenzt ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Evolution_der_Plazenta">Evolution der Plazenta</h2></div>
<p>Die Plazenta ist eine <a href="Innovation_(Evolution)" title="Innovation (Evolution)">Schlüsselinnovation</a> der Säugetiere (<a href="Evolution_der_S%C3%A4ugetiere" title="Evolution der Säugetiere">Evolution der Säugetiere</a>), von ihren Anfängen bis heute. Sie stellt ein neues Organ dar, das es bei den eierlegenden Tieren davor nicht gab. Neben der Innovation der <a href="Muttermilch" title="Muttermilch">Muttermilch</a>, der <a href="Milchdr%C3%BCse" title="Milchdrüse">Milchdrüse</a> und der Mutterbindung musste eine Ernährungsverbindung vom Ei des Embryos im Mutterleib zur Mutter evolvieren, um das Wachstum des Embryos im Mutterleib zu ermöglichen. Dieses Wachstum war ein entscheidender selektiver Vorteil. Die Plazenta steigerte die Überlebenschancen des Ungeborenen in der Zeit der <a href="Dinosaurier" title="Dinosaurier">Dinosaurier</a> vor etwa 160 Millionen Jahren.
</p><p>Als wichtiges Gen für die Ausbildung der Plazenta wurde das Gen <i>Paternally expressed gene Peg10</i> identifiziert. Dieses Gen wurde wahrscheinlich durch ein <a href="Retroviren" title="Retroviren">Retrovirus</a> in die DNA der <a href="Keimzelle" class="mw-redirect" title="Keimzelle">Keimzellen</a> früher Säuger kodiert,<sup id="cite_ref-Retro_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-Retro-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> eine virale Invasion und ein Prozess vergleichbar dem, der beim <a href="Rezent" title="Rezent">rezenten</a> <a href="Koala" title="Koala">Koala</a> mit dem krankheitserregenden <a href="Koala-Retrovirus" title="Koala-Retrovirus">KoRV</a>-Gen beobachtet wurde. Ein <a href="Gen-Knockout" title="Gen-Knockout">Gen-Knockout</a> von Peg10 bei der Maus im Labor führt zum Stillstand des Wachstums der Plazenta und zum frühen Tod des Embryos.<sup id="cite_ref-Knockout_21-0" class="reference"><a href="#cite_note-Knockout-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Peg10 ist also dafür verantwortlich, die Plazenta zu bilden. Das Gen unterbindet die <a href="Immunabwehr" class="mw-redirect" title="Immunabwehr">Immunabwehr</a> der Mutter und verhindert damit, dass der Embryo beim Aufbau der physischen Mutter-Kind-Verbindung wieder abgestoßen wird. Erst für den weiteren Verlauf der Evolution wird angenommen, dass die Nahrungsversorgung des Embryos mittels der Plazenta zum Immunabwehrschutz hinzukam. Im Verlauf der Evolution wurde die Plazenta größer, die Tragezeit des Embryos konnte verlängert werden. Eine längere <a href="Schwangerschaft" title="Schwangerschaft">Schwangerschaft</a> war hilfreich für die Unabhängigkeit der Mutter vor Fressfeinden, und Tiere begannen, lebende Säuger auszutragen.
</p><p>Für die Bildung des Synzytiotrophoblasten ist das env-Gen des <a href="Endogenes_Retrovirus#Humane_endogene_Retroviren" title="Endogenes Retrovirus">endogenen Retrovirus</a> HERV-W verantwortlich. Dieses und weitere beteiligte ERVs müssen die gemeinsamen Vorfahren der Höheren Säugetiere erworben haben, da sie <a href="Beuteltiere" title="Beuteltiere">Beuteltieren</a> und <a href="Kloakentiere" title="Kloakentiere">Kloakentieren</a> (eierlegenden Säugetieren) fehlen.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Insbesondere ist das Protein <a href="Syncytin" title="Syncytin">Syncytin</a> (Syncytin 1 und 2) viralen Ursprungs.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-pmid22695103_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-pmid22695103-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-pmid27486264_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-pmid27486264-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Placenta?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Plazenta</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Plazenta" class="extiw external" title="wikt:Plazenta">Wiktionary: Plazenta</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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